Das Wissen der Experten
Hier kommt schon mein zweiter Blog-Beitrag nach dem Ende der LOLA-Impulse
19. Februar – 2025
Verfasser: René Egli
Seit der Covid-Pandemie wissen wir, dass wir den Experten nicht alles glauben können. Und wenn es sich um Top-Experten handelt, muss man doppelt vorsichtig sein. Experten wissen sehr viel von sehr wenig, aber sie wissen nichts vom Ganzen.
Nun, ich habe im Internet von einem Langlebigkeits-Experten gelesen, dem man zumindest einen Satz blindlings glauben kann. Dieser Experte hat herausgefunden, dass die Einsamkeit schlecht für uns ist, weil sie unsere Lebensdauer verkürzt. Wie er das herausgefunden hat, weiss ich nicht. Hat er lebende Einsame interviewt und gefragt, wie lange sie noch leben werden? Oder hat er sehr alte Menschen gefragt, ob sie einsam waren?
Ich weiss es nicht. Das spielt auch keine Rolle.
Dieser Experte war immerhin so nett, und hat den einsamen Menschen sogleich die Lösung für ihr „Problem“ geliefert. Aufgrund seiner Forschungen ist er zu folgender Erkenntnis gekommen: Gegen Einsamkeit hilft es, wenn man Beziehungen zu anderen Menschen eingeht.
Tatsächlich, wer von uns Nicht-Experten wäre auf eine solche Idee gekommen? Für einen normalen Menschen liegt das ja nicht auf der Hand. Um sicher zu gehen, ob das auch wirklich stimmt, habe ich es ausprobiert. Ich bin mit einem anderen Menschen (einem Autoverkäufer) in Beziehung getreten – und siehe da, ich fühlte mich nicht mehr einsam. Ich kann also bestätigen, dass der Experte völlig recht hat mit seiner Empfehlung. Sollten Sie trotzdem noch Zweifel haben, schlage ich vor: Probieren Sie es aus.
Im Ernst:
Ein Experte hat jetzt wieder einmal etwas gefunden, das man vorher nicht wusste und das man jetzt als Problem bezeichnen kann. Und das „Gute“ daran ist, dass man dann Methoden zur Lösung dieses Problems (das vorher keines war) entwickeln und verkaufen kann.
Ich denke, es hat bisher einsame Menschen gegeben, die nicht wussten, dass dies ihr Leben verkürzen könnte. Jetzt wissen sie es. Und? Was jetzt? Vielleicht fällt es diesen Menschen jetzt noch schwerer, die Einsamkeit zu akzeptieren, weil ihnen jemand (ein Experte) gesagt hat, dass die Einsamkeit ihr Leben verkürzen könnte.
Es läuft doch immer der gleiche Mechanismus ab: Etwas, das wir vorher nicht wussten, wird von Experten als gefährlich oder als Problem bezeichnet – und jetzt wissen wir es. Jetzt wird es tatsächlich zum Problem. So haben wir uns mit einem Kranz von Problemen umgeben und finden den Ausgang nicht mehr.
Betreffend Langlebigkeit: Jeder lebt, solange er lebt. Und wie lange das ist, steht schon bei seiner Geburt fest. Da kann auch ein Langlebigkeitsexperte nichts daran ändern. Einsamkeit ist Einsamkeit. Punkt. Es wird erst zu einem Problem, wenn wir es als Problem bezeichnen. Es geht nicht darum, möglichst lange zu leben, es geht darum, jeden einzelnen Tag zu leben. Jetzt. Mit Dankbarkeit. Mit Vertrauen in das LEBEN. Jeder Christ weiss das. Irgendwo in der Bibel steht geschrieben: „Sorge dich nicht um den morgigen Tag …“
Im Leben kommt es ganz gewiss nicht darauf an, wie lange man lebt. Viel eher kommt es darauf an, WIE man lebt.
Wenn man einen einzigen Satz von meiner Frau wüsste, dann müsste man sich nicht um Einsamkeit, oder ein kurzes oder langes Leben sorgen. Dieser eine Satz lautet:
„Das was ist, ist die Lösung.„
Noch etwas zur Entlastung des oben erwähnten Experten: Der Mann hat keinen freien Willen. Er tut, was er tun muss – so wie ich.
Bis zum nächsten Mal. Euer René Egli.
