Man muss gefürchtet werden

Was macht man mit einem Gegner?

17. Juli  – 2025    

Verfasser: René Egli

Anlässlich des französischen Nationalfeiertages hat der französische Präsident eine Rede an die Armee gehalten. In dieser Rede hat er in Bezug auf sein Land darauf hingewiesen, dass man gefürchtet werden muss, um nicht angegriffen zu werden. Und wann wird man gefürchtet? Darauf hat der Präsident geantwortet: Wenn man stark und mächtig ist. Schlussfolgerung: Wir müssen mehr Geld für die Armee ausgeben. Logisch, nicht wahr?

Das war doch schon während der Schulzeit auf dem Pausenplatz so. Der stärkste Schüler wurde nicht angegriffen, weil man ihn gefürchtet hat. Das ist die einfache Logik des Kleinen Ichs.

Und damit hat der französische Präsident ja auch recht. Allerdings zeigt die Praxis, dass es meistens jemanden gibt, der noch stärker ist. Man kann also nie ganz sicher sein, dass man immer stärker ist als der Gegner – und schon gar nicht, wenn man die ganze Welt betrachtet.

Bereits in meinen ersten Seminaren vor mehr als 30 Jahren hatte ich jeweils darauf hingewiesen, dass man sehr wohl kämpfen kann, wenn man sicher ist, dass man stärker ist als der Gegner.

Gegner! Ein interessantes Wort. Um zu kämpfen, braucht es immer einen Gegner. Der Gegner kann ein Mensch sein, ein Unternehmen, ein Land, eine Krankheit, ein Gerichtsurteil, etc.

Und jetzt kommt eine faszinierende Überlegung: Wenn alles (!) das LEBEN (= Gott) ist, dann kämpft man – falls man kämpft – immer gegen das LEBEN. Und natürlich kann man dabei (scheinbar) Siege erringen, aber diese Siege sind Illusionen. Nach dem einen Kampf kommt der nächste, und der nächste, und der nächste. Glaubt denn das Kleine Ich wirklich, dass es stärker ist als das LEBEN?

Es gibt viele Menschen, die kämpfen gegen Krankheiten. Das ist in Ordnung, das muss dann so sein. Und es gelingt ja oft auch, gewisse Krankheiten zu besiegen – bis dann die nächste Krankheit auftaucht. Aber: Letztendlich sterben wir alle. Diesen Kampf gegen den Tod verlieren wir immer. Wir können das LEBEN nicht besiegen.

Es geht hier nicht darum, dem französischen Präsidenten eine andere Strategie zu empfehlen. Aus der Sicht des globalen menschlichen Bewusstseins wird sich an dieser Kampfstrategie nie etwas ändern. Das war schon immer so. Seit Menschengedenken haben Menschen gegeneinander gekämpft. Das gehört zu diesem Bewusstsein des Kleinen Ichs.

Allerdings: Ein einzelner Mensch könnte für sich ganz persönlich zu der Erkenntnis gelangen, dass man nicht gezwungenermassen kämpfen muss.

(Viele Jahre lang hatte ich gedacht, das Leben sei ein Kampf; man müsse kämpfen, um etwas zu erreichen. Schliesslich bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass es auch ohne Kampf geht. Und viel einfacher und mit viel weniger Aufwand.)

Auch Sie könnten zu der Erkenntnis gelangen, dass es nicht darum geht, gegen das LEBEN zu kämpfen, sondern? Es geht darum, das, was ist, das LEBEN, zu lieben. Bedingungslose Liebe zu allem, was ist. Wir verschmelzen dann sozusagen mit dem LEBEN. Wir sind EINS mit dem LEBEN.

Logischerweise gibt es dann keine Gegner mehr, die bekämpft werden müssen.

Und auch wir würden von niemandem als Gegner betrachtet, weil es uns – unser Kleines Ich – gar nicht mehr gibt. Was es nicht gibt, kann nicht angegriffen und verletzt werden. Je grösser unser Ego, desto grösser das „Risiko“, angegriffen und verletzt zu werden. Schauen Sie doch einmal um sich. Wie oft werden Menschen (Politiker, Influencer, Sportler, Reality-Stars, etc.) die immer wieder in den Medien sind, kritisiert und angegriffen?

Lassen wir die Politiker und Generäle ihre Spiele spielen. Es gehört zu ihrem Leben. Daran wird sich auch in 1000 Jahren nichts ändern. Aber Sie könnten zu einer anderen Erkenntnis gelangen. Sie könnten ein anderes Spiel spielen.

Es gibt nicht nur die Kampfstrategie.

Behauptet nicht die christliche Kirche, dass die Liebe die stärkste Macht ist?

Bis zum nächsten Mal. Euer René Egli.